1. Anfang des Kanu-Sports
2. Gründungsjahre des BKW
3. Nachkriegszeit
4. BKW heute
5. Unser Programm
Die Entwicklungsgeschichte dieser Sportart ist mehr als 4000 Jahre
alt. Aus unterschiedlichen Materialien und Techniken gefertigte Boote sind aus
Asien, Polynesien und Afrika bekannt. Von einem in Babylon gefertigten Lederboot
mit Holzgerüst berichtet schon die altgriechische Literatur. Die Indianer
Mittelamerikas fertigten durch Aushöhlen von Baumstämmen Boote, die
sie "Canagua" nannten. Spanier und Portugiesen bildeten daraus den
Begriff "Canoa", die Engländer "Canoe", die Franzosen
"Canot" und die Deutschen "Kanu".
Aus
Birkenrinde fertigten die nordamerikanischen Indianer ihren "Canadier"
und fuhren mit einem Stechpaddel, während die Eskimos ihr Bootsgerippe
mit Fellen umspannten und nur ein Mannloch mittschiffs "Ka-i-ak" offen
ließen. Im Nordlandbuch erwähnt Olaus Magnus, Bischof von Uppsala
im 16. Jahrhundert, erstmals auch das "Tauchen" der Kajakfahrer, also
jene Kunst, das gekenterte Boot ohne auszusteigen wieder aufzurichten. In Anlehnung
an die Erfinder dieser Technik nennen wir es heute "Eskimotieren".
Mitte des 19. Jahrhunderts berichtete der Schotte McGregor von seinen Reisen
mit einem Kajak auf europäischen Flüssen und Seen. Nachahmer fand
McGregor auch in Deutschland. 1876 fand das erste Kanurennen in Deutschland
bei der Kaiserregatta in Bad Ems auf der Lahn statt. Im kaiserlichen Erlaß
vom 27.1.1895 wurde das Rudern an allen Gymnasien als Pflichtfach und der Kanusport
zu unterstützen empfohlen. Auf dem Deutschen Kanutag 1920 in Hamburg wurde
eine Klasseneinteilung in Kajaks und Canadier beschlossen. Der Kanusport wurde
bei den Spielen in Berlin erstmals olympisch, die ersten Weltmeisterschaften
fanden 1939 in Schweden statt. Mit der Weiterentwicklung von Technik und Material
haben sich nicht nur verschiedene Bootstypen sondern auch Disziplinen gebildet:
Kanuwandern, Kanurennsport, Wildwasserfahren, Motorkanu, Kanusegeln, Kanuslalom
und Kanupolo. Im Deutschen Kanu Verband sind heute 120.000 Kanusportler organisiert.
Geschätzt wird, daß es etwa eine halbe Million Nichtorganisierte
gibt. Der Kanusport ist also kein Breitensport, sondern vielmehr der "Bootssport
des kleinen Mannes".
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Aus einem offenen Brief an die Mitglieder des Vereins. Wilhelm
Voß, Gründungsmitglied und langjähriger Vorsitzender, berichtet:
"Liebe BKWer! Liebe Kanufreunde! Immer wieder freue ich mich über
das rege Leben, welches in allen Gruppen des Vereins herrscht. Sicher wird es
manchen von Euch interessieren, wie es früher war und wie alles geworden
ist. Einige junge Kameraden der damaligen Wandervogelbewegung hatten sich für
das Wasserwandern begeistert und sich Faltboote angeschafft. Bald schon wurde
ihnen das Auf- und Abbauen, sowie das Trocknen der Bootshaut zuhause aber leid.
Und so trafen sich im Herbst 1930 Paul Deiters, Konrad Schäfer, Hans Gerken
und ich um über eine Bootsunterkunft zu beraten. Wir vier teilten uns die
zu erwartenden Kosten und arbeiteten den Winter über in meiner Werkstatt
den Bau vor. Im Frühjahr 1931 schafften wir dann alles zum Stadtwerder,
wo wir von der Stadt die Genehmigung zum Bau erhalten hatten. Dieser Bau entstand
auf der Werderkuppe am Fresenweg, Ecke Olgaweg (linke Weserseite). Es war ein
schöner Vorfrühlingstag als wir den Bau errichteten, und am Abend
des 5. Aprils 1931 waren wir froh, daß wir unser erstes Bootshaus verschliessen
konnten. Diesen Tag rechnen wir als den Gründungstag unseres Vereins.
Der
frühere Bootsmann des Segelvereins "Weser", Bernhard Schriefer,
hatte im gleichen Jahr die Schuppen der Bootswerft Röhrs erworben und dort
ein Lager für Kleinboote eingerichtet. Wir verkauften ihm unser Bootshaus
und verpflichteten uns, das Haus über die Weser zum genau gegenüberliegenden
Standort zu schaffen. Im Frühjahr 1932 legten wir eine Sandschute an die
Werderschlänge und rollten das ganze Bootshaus vom Deich auf die Schute.
Bei Flut schleppte uns ein schweres Motorboot über die Weser. So kamen
die Kanu Wanderer in das Bootslager Schriefer, wo heute das Sportamt ist. Dort
kamen viele Kameraden zu uns. Die ersten Lastwagenfahrten flußaufwärts
wurden unternommen, kleine Feste veranstaltet. Unser Stander wurde entworfen
und wir traten dem Deutschen Kanu Verband bei. Durch die Machtergreifung der
Nationalsozialisten kam die Politik in die Sportvereine und es bildete sich
im Bootslager Schriefer ein neuer Verein in der gewünschten Richtung. Wir
konnten nicht so schnell umschalten und mußten viele Widerwärtigkeiten
hinnehmen. Als wir dann hörten, daß sich ein großer Sportverein
um das Gelände des Segelvereins "Weser" am Jürgensweg bemühte,
schalteten wir sofort und waren dann die Schnelleren. Mit dem Vorstand des Segelvereins
kam es zu einem Vertrag , der uns im Sommer das Winterlager der Segelboote vermietete.
Bald hatten wir ein schönes, geräumiges Bootslager und den schönen
Strand für unsere Faltboote und auch zum Baden. Durch den Eigenbau von
13 Rennbooten wurde es dann möglich, auch am Leistungssport teilzunehmen.
Dieser stolze Aufstieg war dann schlagartig durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges
unterbrochen. Nur die Frauen und Mädchen konnten mit Paul Deiters den Betrieb
aufrechterhalten, bis eine Luftmine unser Bootslager und die Boote in Trümmer
legte. 16 junge Kameraden kamen nicht aus dem Krieg zurück."
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Als
der Krieg vorbei war, wurde von den Besatzungsmächten jede Vereinstätigkeit
verboten. Aber Paul Deiters baute vor. Einmal würde sich wieder alles normalisieren
meinte er immer. "Wir forschten wohin der Krieg die einzelnen Mitglieder
verschlagen hatte. Jeder von uns suchte ehemalige Mitglieder zu einem persönlichen
Gespräch auf, um sie zum Fortbestand des Vereins zu bewegen. Vor der Entnazifizierung
baute sich die Hürde eines 131 Punkte umfassenden Fragebogens auf. Wir
fanden jedoch genügend Kameraden, die diesen Anforderungen entsprachen.
Und als das Vereinsverbot aufgehoben wurde, konnten wir unsere Neugründungsversammlung
starten."
Dem BKW wurde am Weserufer ein kleines Fleckchen Land im Parzellengebiet zugewiesen.
Nach einigen Jahren Kriegsgefangenschaft kehrte Wilhelm Voß heim. Paul
Deiters war in der Zwischenzeit ganz plötzlich verstorben. Wilhelm nahm
das Ruder wieder in die Hand. Inzwischen war das Gros der Männer wieder
zurück und es konnte mit dem Aufräumen und dem Neubau des Bootshauses
begonnen werden. In den ersten Nachkriegsjahren hielten gemeinsame Wanderungen
das Vereinsleben aufrecht die Boote waren ja überwiegend zerstört.
Erste Urlaubsfahrten wurden 1950 wieder unternommen. Dabei fuhr man in Booten
von Freunden, die diese über den Krieg hin retten konnten. Per Zug und
mit Rucksack ging es auf die Reise. Bei Gemeinschaftsfahrten wurden auch immer
öfter Möbel- und Lastwagen genutzt, die eine Leerfahrt in Richtung
unseres Paddelgebietes unternahmen. Da solche Transporte verboten waren, durften
wir innerhalb des Stadtgebietes nicht sprechen und vor allem nicht singen. Im
Laufe der Zeit verdrängten Polyesterboote immer mehr die herkömmlichen
Faltboote. Doch während die Faltboote noch relativ platzarm transportiert
werden konnten, bedurfte es bei den neuen Booten mit steifer Haut größerer
Transporter. Bootsanhänger und vereinseigener Bus bescherten uns mit der
verstärkten Motorisierung der Mitglieder eine gesteigerte Mobilität.
Das führte zusammen mit der wachsenden Mitgliederzahl zu einem starken
Wachstum der jährlich gepaddelten Kilometer und der errungenen Wanderfahrer-Abzeichen.
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Bereits 1975 waren BKWer maßgeblich beteiligt, als es galt
die erste Bremer Übungsleiterausbildung im Kanuwandersport auf die Beine
zu stellen. In den folgenden Jahren nahmen stets BKWer an den entsprechenden
Ausbildungen des LKV Bremen teil. Heute verfügt unser Verein über
eine stattliche Anzahl von Übungsleitern, die unsere Ausbildungsaktivitäten
betreuen und einen großen Teil unseres Sportprogramms organisieren. Seit
Jahren bieten wir nicht nur Grund- sondern auch Aufbaukurse in den Bootsarten
Kajak und Canadier. Dazu Bootsgewöhnungs- und Eskimotierkurse sowie Sicherheitsschulungen
für Seekajak-, Wander- und Wildwasserfahrer. Deshalb ist der Bremer-Kanu-Wanderer
e.V seit vielen Jahren anerkannter DKV-Kanuausbilder.
Mit Fertigstellung der Hochwassersperrwerke an Lesum und Ochtum ergab sich für
unseren Verein eine neue Situation. Sturmfluten laufen jetzt mit größeren
Wassermassen bis zum Weserwehr auf. Unser altes Bootshaus war nicht mehr hochwassersicher"
und wurde mit erheblicher Eigenleistung der Vereinsmitglieder durch ein neues,
zweistöckiges Gebäude ersetzt. Mittlerweile ist dieser Bau durch einen
großzügigen Anbau ergänzt worden, so daß wir jetzt nicht
nur moderne Toilettenanlagen, eine Gästeküche und einen Jugendraum
haben, sondern auch erheblich mehr Bootsplätze zur Verfügung stehen.
Auch das Vereingelände konnte erweitert und verschönert
werden. Heute ist der BKW" ein selbstbewußter, unabhängiger
Einspartenverein", dessen fast 200 Mitglieder mit ehrenamtlichen
Engagement ihren Verein selbständig organisieren und für den Erhalt
und die Verbesserung der Vereinsanlagen sorgen.
Seit 1999 ist unser Verein DKV-Kanustation", d.h. Kanuwanderer können
auf unserem Vereinsgelände zu sehr günstigen Bedingungen zelten und
unsere Vereinanlagen nutzen. Unsere sportliche Heimat" bildet der
Kanuwander- und Freizeitsport, wobei sich unser Fahrtengebiet nicht auf den
Bremer Bereich beschränkt. So tummelten sich BKWer bereits regelmäßig
auf alpinen Wildflüssen oder im Küstengebiet lange bevor das
Wildwasser- und Seekajakfahren als eigene Disziplinen erfunden" wurden.
BKW-Urlaubsfahrten hatten Länder vom Mittelmeer bis nach Skandinavien zum
Ziel. An Traditionen wird mit Faltboot-Wanderfahrten angeknüpft. Mit der
12-maligen Ausrichtung der Familien- und Mannschaftscanadiertage"
und dem jährlichen Faltboottreffen wurde vielleicht sogar eine neue
Tradition" geschaffen.
Ob man es Ausflüge in den Leistungssport" oder hanseatisch zurückhaltend
zügigen Wandersport" nennt ist eigentlich egal. Gelegentliche
Starts bei Leistungsfahrten (Weser- oder Berlinmarathon, Nikolausregatta) gehören
für einige BKWer ebenso zum Paddlerleben wie Aktivitäten im Abfahrts-
oder Wildwasserrennsport. Zwischenzeitlich wurde Kanupolo gespielt. Heute ist
für manchen Rodeo angesagt oder Fahrten im K4, C7 oder C10. Wer kein eigenes
Boot hat (oder keines für den benötigten Zweck) kann gegen eine geringe
Gebühr ein Vereinsboot ausleihen. Es stehen fast alle Bootstypen zur Verfügung
(Canadier, Wildwasserboote, Seekajaks, Wanderboote, Zweier). Paddeln macht uns
halt Spaß und es gibt immer noch etwas Neues zu entdecken.
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Gemäß der Satzung führen wir regelmäßig
Fahrten auf in- und ausländischen Gewässern durch. Besonders beliebt
sind dabei natürlich aufgrund der räumlichen Nähe die Kleinflüsse
der Umgebung, soweit sie nicht gesperrt sind. Immer wieder sind BKW-Urlaubsfahrten
im Programm, wobei Wildwasserstrecken ebenso beliebt sind wie Wanderfahrten
im In- und Ausland. Wir fahren zu den Wildwasserübungsstrecken in Hildesheim
oder Hohenlimburg, um Sicherheitsschulungen durchzuführen. Auch andere
Wildwasseregionen des Harzes oder der Voralpen bleiben von uns nicht unbemerkt.
Mittlerweile
wird das Seekajakpaddeln immer beliebter. Beliebte Ziele sind dabei die Inseln
der Nordsee, die Ostsee oder die Küsten Dänemarks. Wir unterhalten
gute Beziehungen zur Salzwasserunion, deren Mitglieder auch aus unserem Verein
kommen. In den letzten Jahren wurden Faltboottreffen veranstaltet, bei denen
viele auswärtige Gäste begrüßt werden konnten. Regelmäßige
werden auch Fahrten auf Deutschlands schönstem Paddelrevier, der Mecklenburger
Seenplatte, angeboten. Hauptsache ist, daß trotz mancher Anstrengung der
Spaß nicht zu kurz kommt. Zum Vereinleben gehören auch unsere regelmäßig
Feste und andere Aktivitäten. Kohl-und-Pinkel-Fahrt, Feuerzangenbowle und
Weihnachtsspaziergang seien hier einmal als Beispiele genannt.
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