fünf
Faltbootzweier mit Bremer Kanu-Wanderern zur diesjährigen „Elefantenfahrt“.
Es geht zum Main, von Ebing bis Schweinfurt: 76,4 km in drei Etappen. Aber weshalb
„Elefantenfahrt“? Das leitet sich ab von einem früheren Sondertarif der Deutschen
Bahn, dem „Rosa-Elefanten-Ticket“. Und so firmiert der herbstliche Männerausflug
des BKW seither unter obigem Namen. Wer hätte gedacht, dass aus einer Idee
im Jahre 1980 eine inzwischen 29-jährige Tradition werden würde? Paddeln als
Gepäckfahrt mit Faltboot und Eisenbahn
und das, obgleich die Bahn heute kaum noch Faltboote oder Fahrräder zu transportieren
gewillt ist, von einer Aufbewahrung der Fracht am Zielort ganz zu schweigen!
Seither wurden zwischen Rhein und Oder sowie zwischen Inn und Aller immer wieder
neue Flussabschnitte unter den Kiel genommen. Und diesmal nun ist der obere
Main das Ziel der diesjährigen Elefantensafari. Wie auch in den Vorjahren
trifft sich die Elefantenherde rechtzeitig vor Abfahrt des Zuges vor dem Bremer
Hauptbahnhof. (Die Boote hatten wir am Vortag im Auto verstaut, das als Lastentaxi
von unserem Rückgrat-geschädigten Herdentier Willi zum Zielort gebracht
wird und uns neben dem Fluss begleiten soll. Den Stress mit den Faltbootzweiern
und sonstigem Gepäck im ICE muss man sich nicht immer antun. Wir sind ja keine
Masochisten!) Am Bahnhof wartet die richtige Einstimmung: Unser Walter
und sein holdes Weib Siegrid bewirten uns zum Start am Stehtisch, wie auch in
den Jahren zuvor.
Manch interessierter Blick trifft unsere erwartungsfrohe Runde, man schmunzelt
und denkt vielleicht: „Komischer Haufen“! Dann aber: Rucksäcke geschultert
und ab zum Bahnsteig. Küsschen für unsere „Elefantenkühe“ und auf geht´s Richtung
Bamberg. Im Zug vergeht die Zeit fröhlich und tatsächlich wie im Zug. Umsteigen
in Hannover und Würzburg. Ankunft in Bamberg und schnell zu unserem Privatquartier
dicht beim Bamberger Faltboot Club. Willi und Rainer (unser Ex-BKWér aus Märkisch-Buchholz)
warten schon auf uns in der Bootshaus-Gaststätte. Frohes Begrüßen und ein gemeinsames
Essen mit Klönschnack bis zur letzten Bestellung beenden die Anreise. Unser
Quartier ist für uns elf Dickhäuter etwas beengt.
Aber man kennt sich ja, und man arrangiert sich im Bad, wenngleich es Engpässe
mit der Nutzung der Keramik gibt. Das Frühstück an langer Tafel stärkt uns für
den ersten Paddeltag. Ein guter Start, dem dann der Fußmarsch zum Bahnhof folgt,
denn unser Einsatzort ist nicht Bamberg, sondern Ebing, einige Bahnminuten flussaufwärts.
Als wir mit dem Zug dort eintreffen, sind die Packtaschen schon ausgeladen und
es geht ans Aufbauen der Boote. Komisch, diesmal werden keine Teile gesucht
oder vertauscht. Nach einiger Zeit liegen alle fünf Zweier startklar am Ufer.
Also los! Klares Wasser, gute Strömung, Sonnenschein. Paddlerherz, was
willst Du mehr? Zur Mittagspause empfängt uns Willi mit unserem Proviantkoffer
an einem schönen Pausenplatz. Werner hat die Kiste wieder optimal bestückt.
Rainer, der zuvor einen runden Geburtstag feierte, spendiert eine Magnumflasche
„Jubelbier“, um diesen Anlass auch mit seinen Elefanten zünftig zu feiern. Alles
Gute für Dich! Der Main zieht uns talwärts, für einen unserer Zweier aber
zu elanvoll: An einer Flachstelle setzt er auf, reißt sich ein Leck in die Bootshaut.
Also flicken und Pause für die übrigen. Schnellreparatur mit Klebeband
ist angesagt und künftige kritische Zwischenkontrollen des Wasserstandes im
Boot, zum Fahrtenende hin verbunden mit verstärktem Schwammeinsatz! Wir erreichen
die Abzweigung der Regnitz bzw. des Main-Donau-Kanals. Jetzt noch 3,7 km auf
stehendem Wasser bis Bamberg, dann sind wir beim BFC und unserer Übernachtungsstätte.
Anlegen und Boote auf das Vereinsgelände tragen, „ein bei ein“, schön nacheinander.
Der letzte Zweier liegt noch im Wasser, die Bootsspitze treibt etwas ab. Walter
greift danach, will den Ausreißer wieder einfangen. Platsch! Er hat die Länge
seines Armes überschätzt und macht den Bademeister. Feixend bedauern wir ihn.
Boote versorgen, duschen und ab in die Altstadt zum Abendessen. Der Abmarsch
wird für 19:00 Uhr festgelegt. Einige Fußkranke (echt, eingebildet oder nur
zu faul zum Gehen?) wollen ein Taxi nehmen. Auch gut. Das Fähnlein der sechs
Aufrechten macht sich um zehn nach sieben auf den Weg. Am vereinbarten Treffpunkt
sehen wir eine Viererbande des BKW. Da fehlt doch einer?! Mein Gott, Walter!
Er hat den Anschluss verpasst, erst bei den Fußgängern, dann auch noch bei den
Taxifahrern. „Wer zu spät kommt, den bestraft…“ (Zitat Gorbi). Na ja, abends
finden wir ihn wieder: Er kommt gerade an die Burg, als auch der Spähtrupp eintrifft,
der ihn gesucht hat. Unser Walter hatte ganz Bamberg zu Fuß erkundet auf der
Suche nach seiner verlorenen Elefantenherde. Merke: „Zentrum“ ist nicht „Altstadt“!
Walter aber wird künftig in Bamberg als Fremdenführer eingesetzt werden können,
er kennt dort jede Straße! Der zweite Paddeltag begrüßt uns wieder mit
Sonnenschein. Nach dem Frühstück bezahlen wir unser Quartier, verabschieden
uns von unserer freundlichen Wirtin, packen einiges ins Auto und den Rest in
die Boote. Ablegen und wieder auf dem Kanal Richtung Main, der ab nun Schifffahrtsstraße
ist. Das merke ich relativ schnell, als ein Schubverband mich in einer Kurve
überholt. Mit voller Kraft steuert er die nächste Schleuse an und bringt mich
in eine bedrohliche Klemme zwischen seinem ausschwenkendem Heck und dem Ufer.
Wasser schwappt ins Boot, aber es geht alles gut. In der Schleuse, die uns mit
ihm zusammen ins Unterwasser absenkt, kann ich mich wieder trockenlegen.
Willi weist uns mit unserem Vereinsschild wieder auf einen sehr geeigneten Pausenplatz
mit Tisch und Sitzbänken hin. Also anlegen, rasten und Essen fassen. Wir
stärken uns genüsslich aus unserem Proviantkoffer, den wir etwas umgangssprachlicher
als „Fresskiste“ oder elefantengemäß als „Futterstelle“ bezeichnen. Nach den
gestrigen 20,1 km sind es heute 31,7 km bis Hassfurt. Zum Schluss driften die
Ansichten hinsichtlich unserer Zeitplanung für die anzustrebende Ankunftszeit
etwas auseinander. Während die „Raucherschiffe“ für (gefühlte) viertelstündliche
Pausen eintreten, zieht es die übrige Herde eher zügig zur Dusche und zur abendlichen
Fütterung. Letztlich aber kommen die Bummler an, kurz nachdem die Vorhut ihre
Boote an Land gehievt hat. Und beim Abendessen auf der Terrasse sitzen wir ohnehin
wieder alle beisammen und lassen uns von einem malerischen Sonnenuntergang verzaubern.
Nachts fühle ich mich wie in einem sibirischen Holzfällerlager. Meine drei Schlafgenossen
machen mittels Kettensägen die ganze Taiga platt. Und ich fürchte auch um das
aus massivem Buchenholz gefertigte Etagenbett, in dem ich versuche, in den Schlaf
zu kommen. Am Baumfrevel bin ich natürlich nicht beteiligt, denn ich habe mich
nicht sägen gehört! Auch so eine Nacht geht zu Ende, und der Tag beginnt mit
Morgendunst über dem Main, Sonnenaufgang und üppigem Holzfällerfrühstück. Er
verspricht wieder sehr schön zu werden. Wieder begegnen wir Flusskreuzfahrern.
Das ist sicher ein schönes Erlebnis, aber was ist das gegen unsere Elefantenfahrt?
Wir sind alle ÜFüs (wie wohl die meisten dort an Bord), aber irgendwie glauben
wir, intensiver zu leben, mehr aufzunehmen von Landschaft, Orten, Natur, Farben,
Gerüchen und unserer Gemeinschaft. Ist es Wunschdenken, Selbstbetrug oder stilles
Genießen? An den Sportbootschleusen steigt mal der, mal jener aus, um die
Schleuse zu bedienen. Wir passen mit unseren Faltbooten so gerade in die Schleusenkammer,
in der es unten kühl und feucht wird, bevor uns wieder die Sonne auf dem
Main wärmt. Heute paddeln wir ohne Mittagspause die 22,8 km bis zum Ziel –denn
wir sind früh dran- und rasten erst am Bootshaus in Schweinfurt. Während
wir uns stärken, trocknen die Bootshäute in der Sonne. Danach geht es ans Abbauen
und Verstauen. Die ganze Wiese wird garniert mit unseren Bootsteilen. Der
Wagen ist wieder randvoll. Ab zum Bahnhof und heimwärts geht es mit der DB.
Zwar gibt es mal wieder Schwierigkeiten, weil die Bahn uns mit einem anderen
als dem gebuchten Zug befördert und damit unsere Platzreservierung nicht gilt,
aber was soll´s? Nach unserem herrlichen Herbstausflug sind wir zufrieden und
milde gestimmt, laufen zur rechten Zeit wieder in Bremen ein, werden von unseren
„Elefantenkühen“ freudig begrüßt und lassen die Fahrt bei Erzählungen und gemeinsamem
Abschiedstrunk ausklingen. Übrigens, der Termin für die dreißigste
Elefantenfahrt im nächsten Jahr ist schon verabredet!
Söhncke Sönnichsen
Hier noch ein Paar Bilder für Alle, die nicht dabei waren:
Abschiedsessen vor dem Bremer Hauptbahnhof

Notreparatur


Gruppenbild (ohne Dame)

Auch die schönste Tour ist mal zu Ende