Am 11.Dezember machen Marc und ich uns wieder auf Kleinflusstour. Mal sehen,
wo wir einsetzen können. Unser Umsetzauto haben wir jedenfalls schon mal
in Ottersberg an der Wümme abgestellt und nun kommt es darauf an, wie viel
Wasser die Wieste hat. An der Bücke Taaken/Schlessel führt der Fluss
dann so viel Wasser, dass wir uns entschließen, weiter nach Mulmshorn
zu fahren. Dort ist die Wieste zwar noch recht schmal, aber bedingt durch den
guten Wasserstand tief genug, um ohne Grundberührung paddeln zu können.
Schon nach wenigen Kilometern mündet ein Graben, der ebenfalls viel Wasser
hat und die Wieste jetzt zu einem ordentlichen Kleinfluss macht. Besonders schön
ist der natürliche Flusslauf, ohne erkennbare Begradigungen. Ständiges
Kurvenfahren ist angesagt. Vor den Prallhängen stehen bisweilen sogar Pilze
, wie man sie aus richtigen Wildbächen kennt. Meist fahren wir auf Höhe
des Ufers und haben einen weiten Blick in die Landschaft über teils noch
überflutete Wiesen. Auf anderen Passagen säumt abgestorbenes, aber
immer noch dichtes Schilf die Ufer. Leider beginnt es, wie schon auf unserer
Veersetour, zu regnen, aber irgendwo muss das Wasser ja herkommen, auf dem wir
paddeln wollen.
Knapp 2 Stunden brauchen wir bis Clüversborstel, denn die auf Kleinflüssen
üblichen Hindernisse, wie umgestürzte Bäume, niedrige Stege und
Buschwerk im Fluss halten uns auch auf der Wieste immer wieder auf. Aber wir
treffen auf deutlich weniger Hindernisse, als auf der Veerse. An einigen Stellen
umtrage ich freiwillig, während Marc sich unter einem Baumstamm durch quält
und mit völlig verdrecktem Boot wieder auftaucht. Bei mir bewähren
sich wieder einmal die Gummistiefel, die ich auf Kleinflussfahrten gern trage.
Damit sind nasse Ufer kein Problem und die Füße bleiben trocken.
Clüversborstel ist der übliche Einsatzort, wenn der Wasserstand nicht
ganz so gut ist. Von hier sind es noch ca.13 Kilometer bis Ottersberg. Weiter
geht es durch „Alleen“ alter Bäume. Der Pegel hinter der Brücke
der B75 zeigt 130cm an, wie wir später feststellen ein idealer Pegel für
die Befahrung der Wieste, denn viele Stege und Brücken können wir
so gerade noch unterfahren. Die bald folgende Autobahnbrücke gibt dem Fluss
nach ihrem Neubau wesentlich mehr Raum, sodass sie auch bei weit höheren
Wasserständen nicht, wie früher, ein unüberwindbares Hindernis
darstellt.
Hinter der Mühle Stuckenborstel wird die Landschaft offener, immer mehr
fahren wir jetzt durch überschwemmte Wiesen. Aber nicht nur die Landschaft
wird offener, auch der Himmel reißt auf und wir bekommen sogar noch ein
wenig Wintersonne zu sehen, die uns auf den letzten Kilometern bis Ottersberg
begleitet.
Detlev Kalter, Dezember 2011
Foto 1-5 Detlev Kalter




