Wolfgang
und Ilse hatten wieder einmal eine Osterfahrt nach Neustrelitz ausgeschrieben,
da wollte ich doch unbedingt auch wieder mit. Ich hatte schon seit 2001 an drei
dieser Osterfahrten teilgenommen. Neustrelitz, das bedeutet Übernachtung
beim WSV Einheit Neustrelitz und Tagesfahrten auf den umliegenden Gewässern.
Wenn nur die lange Anfahrt und der auch schon traditionelle Stau in Hamburg
nicht wären. So kamen wir erst abends um Acht in Neustrelitz an und ich
musste mein Zelt im Dunklen aufbauen. Meine Mitfahrer hatten es einfacher, sie
schliefen in der Herberge des WSV. Insgesamt waren wir elf Teilnehmer, ich war
aber der einzige, der unbedingt zelten wollte. Am Freitagmorgen, nach ausgiebigem
Frühstück, ging es los zu unserer ersten Tagestour auf den Feldberger
Seen. Wir startetem am äußersten Ende des Breiten Luzin, bei kräftigem
Gegenwind, der uns auch die nächsten Tage erhalten blieb. Es war zwar kühl,
aber wir hatten doch an den ersten beiden Tagen recht viel Sonne. Die traumhafte
Kulisse der Feldberger Seen mit ihrem klaren Wasser, Wind und Wellen und den
teilweise über 150 Meter hohen Bergen bescherten uns ein überwältigendes
Paddelerlebnis.
Am
Abend kamen noch Anne und Georg vom WSV in die Herberge und wir feierten unser
Widerdersehen. Wegen des anhaltenden Windes beschlossen wir, Samstag das Küstrinchen
zu paddeln, ein kleiner Bach, der durch eine Wald- und Sumpflandschaft fließt
und zwei Seen miteinander verbindet. Der Pegel stand auf Grün, war aber
doch schon etwas knapp. An der Einfahrt zum Küstrinchen liegt ein Fischereibetrieb,
da mußte eigentlich noch schnell etwas Räucherfisch gekauft werden.
Ich gönnte mir einen Aal, der dann auch bei der nächsten Pause in
meinem Magen landete. Vorher jedoch sollte gepaddelt werden, was nicht unschwierig
war, musste doch genau Kurs gehalten werden um nicht über den Kies zu kratzen.
So ein Seekajak ist ja nur bedingt kleinflusstauglich. Am Abend fuhren wir zur
Burg Stargard um dort im Restaurant essen zu gehen. Die Burg ist aber auch so
ein lohnendes Ziel. Am Ostersonntag sollte es wie gewohnt ordentlich blasen,
wir beschlossen daher, die Obere Havelwasserstraße zu paddeln. 24 Kilometer
fast ohne Strömung sind aber auch nicht unanstrengend. Die Idylle und Schönheit
des Flusses entschädigten aber für vieles, auch wenn die Sonne sich
nicht zeigte. Die Havel ist hier schiffbares Gewässer und so begegneten
wir hin und wieder auch einigen Motorbooten. Umso mehr verwunderte es uns, hier
mehrere Biberburgen zu finden. Abends machte ich noch einen Bummel durch Neustrelitz.
Es ist schon beeindruckend, wie viele Ruinen wieder zu ansehnlichen Häusern
wurden, wie viele Straßen schon renoviert wurden. Auch der neue Hafen
mit den wiederbelebten ehemaligen Speichern ist beeindruckend. Schade nur, dass
die Stadt trotzdem so viele Einwohner verliert, weil es hier einfach nicht mehr
genug Arbeitplätze gibt. Auch am Montag wollten wir noch einmal paddeln.
Ausgekuckt wurde dann eine Strecke von Kleinzerlang nach Zechlinerhütte,
mit Abstecher bis an das Ende des Zotzensees. Am Start in Kleinzerlang begegnete
uns noch eine Gruppe von jüngeren Faltbootfahrern, die sich völlig
verirrt hatten und eigentlich nach Mirow wollten. Das passiert schon mal, wenn
man irgendwo falsch abbiegt. Die Strecke, auf der wir paddeln wollten, ist sehr
abwechslungsreich und war, bis auf eine Begegnung mit einem durchgeknallten
Motorbootfahrer, ausgesprochen schön. Und dann, ganz zum Ende der Tour,
mit dem letzten Paddelschlag, steigt ein Adler vor mir auf. Schöner kann
eine Paddeltour nicht enden.
Siegmund Schneider




