Endlich habe ich es geschaft, jemanden davon zu überzeugen,
dass man auch westlich von Bremen paddeln kann. Connie Wichmann hatte auch Zeit
und Lust, hier mal zu paddeln.
Eigentlich sollte es ja zur Hase gehen, daraus ist nichts geworden. Da wir nur
zu zweit und mit einem Auto unterwegs waren, sollte es ein Rundkurs in Ostfriesland
bzw dem Ammerland sein. Ein Blick auf die Gewässerkarte zeigte viele Möglichkeiten,
aber insbesondere zwei Rundkurse: den Jümme-Leda- Rundkurs, der uns aber
für diese Jahrezeit zu lang war, oder ein Rundkurs über Aper Tief,
Nordlohner Kanal, Nordlohner/Barßeler Tief und Jümme zurück
ins Aper Tief, sozusagen ein Rundkurs mit Stiel dran. Wir entschieden uns also
dafür in Apen an der Mühle einzusetzen, hatten aber Bedenken, ob der
Wiederausstieg bei Niedrigwasser den wohl klappen würde. Der Anblick des
Aper Tiefs überraschte uns doch etwas. Auf der anderen Seite des Tiefs
war kein Deich zu sehen, sondern eine Sumpflandschaft. So paddelten wir das
Aper Tief ca. 2 km abwärts, bis links der Nordlohner Kanal auftauchte.
An allen Abzweigungen gibt es eine Ausschilderung für Paddler mit Richtungsangaben,
Zeitangaben und Hinweise auf den nächsten Pausenanleger. Der Nordlohner
Kanal ist recht schmal, links und rechts mit Büschen und Bäumen bewachsen,
auf der neben dem Kanal verlaufende Straße ist nur der Verkehr zu hören,
zu sehen ist von der Straße nicht viel. Zwei Hubbrücken überspannen
den Kanal, aber durch die anschließende Betonbrücke haben die diese
leider ihren Sinn verloren. Bevor der Kanal beginnt langweilig zu werden, treffen
wir auf das Nordlohner Tief, das dann den Namen ändert und zum Barßeler
Tief wird.
So
langsam beginnt es aufzuklaren und ein kräftiger Südwestwind treibt
die Wolken auseinander. Jetzt passieren wir die letzte Betonbrücke. Danach
wird die Flußlandschaft immer unberührter, links und rechts gibt
es jetzt Reetfelder und Bäume. Es ist schon nach Mittag und es wird Zeit
für eine Pause. Ein Wegweiser zum Barßeler Sportboothafen und Kanustation
taucht auf. Wir sind an der Mündung der Soeste. Auch hier eine fantastische
norddeutsche Flußlandschaft, wenn die Fahrwasserpricken nicht wären,
könnte man meinen, hier hat sich seit Urzeiten nichts verändert. Der
Sportboothafen Barßel ist wieder eine Überraschung. Einen so großen
Hafen hätte ich hier nicht vermutet. Es gibt hier auch eine Kanumietstation,
einen Hafenmeister, Stellplätze für Wohnmobile, Toilettenanlagen und
einen Pausenplatz. man ist hier nicht nur auf Sportboote eingestellt, sondern
auch auf Paddler. Um diese Jahreszeit ist das meiste aber schon geschlossen.
Einen Aussichtsturm gibt es hier auch, da mußten wir natürlich auch
rauf. Gegen halb zwei ging es weiter. Immer wieder sieht man die typischen Pumpenhäuschen
für die Sielentwässerung. teilweise sind die Häuschen zu Pausen-
bzw. Aussichtstürmen ausgebaut. Der obere Teil würde geöffnet,
und es wurden Tisch und Bänke sowie eine Außentreppe installiert.
Eine Wirklich schöne Idee.Bis zum Ende des Barßler Tiefs bleibt die
Landschaft so nahezu unberührt, das ändert sich erst am nächsten
Wasserkreuz. Hier ist auch ein Pausenanleger für Paddler und die schon
bekannte Ausschilderung zeigt uns den richtigen Weg. Da da Gewässer eigentlich
immer das gleiche bleibt, nur der Name sich ständig ändert, kann ich
nicht genau sagen, ob der folgende Abschnitt jetzt die Jümme ist oder nicht.
Die Flußlandschaft wird jetzt etwas eintöniger, ist aber immmer noch
nett anzuschauen. Schön, dass wir jetzt nicht mehr gegen den Wind anpaddlen
müssen.Jetzt kommt das Dorf Detern in Sicht. Hier befindet sich wieder
ein Pausenanleger und es beginnt das Aper Tief. Endlich ist es so eintönig,
wie wir es eigentlich erwartet hatten. Nun paddeln wir auch noch gegen die Tide.
Wir haben aber den kräftigen Südwest im Rücken, der auf der kilometerlangen
Graden eine richtig ordentliche Dünung aufgebaut hat und uns das Paddeln
jetzt sehr erleichtert. Auch diese Strecke hat ein Ende und wir sind wieder
an der Einmündung der Nordlohner Kanals. Hier beginnt wieder der nette
Abschnitt des Aper Tiefs. Jetzt sieht man auch, das Nidrigwasser ist. Die Apener
Mühle, eine echter Galerieholländer, kommt in Sicht und damit auch
das Ende der Tour. Der Ausstieg erweist sich jetzt als schwieriger, der Tidenhub
beträgt aber keinen halben Meter. Bei strahlendem Sonnenschein verladen
wir die Boote.
Länge der Strecke ca. 25 km, gefahrene Zeit mit Pause ca. 7 Stunden.
Was würde ich beim nächsten Mal anders machen?
Zur Tidenangabe noch eine Stunde dazurechnen, die Tour in Barßel starten
und die Tour besser mit der Tide planen. Die Soeste scheint bis zum Küstenkanal
lohnenswert zu sein. Jümme und Leda sind noch abzupaddeln und auch das
Nordlohner Tief ist noch lang (laut Hinweisschild 5 Stunden bis Edewecht).
Siegmund Schneider
