Der DKV informiert:
Die Auswertung der Kanuunfälle der vergangenen Zeit haben
einen Problembereich besonders deutlich gemacht: in vielen Fällen hätte
Leben gerettet werden können, wenn eine Schwimmweste getragen worden wäre!
Der Sicherheitskreis Kanu (SKK) sieht sich deshalb veranlasst, alle Kanufahrer
auf die Bedeutung und Notwendigkeit von Schwimmwesten aufmerksam zu machen.
Die nachfolgenden Ausführungen dienen daher sowohl dem einzelnen Kanufahrer,
sich eine erste Übersicht zu verschaffen, wann das Tragen von Schwimmwesten
besonders erforderlich erscheint. Sie sollen aber auch den verantwortlichen
Mitarbeitern in den Vereinen bei ihrer Fahrtenplanung Anregungen geben und können
Unterrichtenden bei Sicherheitskursen eine Hilfestellung geben.
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe Schwimmweste
und Rettungsweste häufig durcheinander geworfen. Was ist nun richtig? Ausschlaggebend
ist eine Europäische Norm, die die entsprechende Einteilung vorgibt. In
dieser Norm wird von Schwimmhilfen und Rettungswesten gesprochen.
Schwimmhilfen sind lediglich Hilfsmittel, die das sofortige Versinken verhindern.
Mit ihrem Auftrieb von 50 Newton (≈ 5 kg) sind sie nur für gute Schwimmer
geeignet und auch nur in den Gewässern angebracht, wo Hilfe schnell in
Sicht ist. Da die Schwimmhilfe nicht ohnmachtsicher ist, ist sie auch keine
Rettungsweste! Diese Schwimmhilfen in Westenform sind nicht mit anderen so genannten
Schwimmhilfen – insbesondere für Kinder – zu verwechseln! Armreifen
oder andere aufblasbare Gegenstände gehören nicht in ein Kanu!
Rettungswesten selbst sind in verschiedene Normklassen unterteilt. Die Normklasse
100 (100 Newton ≈ 10 kg Auftrieb) beschreibt Rettungswesten, die in Binnengewässern
und geschützten Revieren genutzt werden können. Sie sind in Abhängigkeit
zur Kleidung nur eingeschränkt ohnmachtsicher.
Die nächste Normklasse (150) (150 Newton ≈ 15 kg Auftrieb) erfasst
Westen, die für alle Gewässer geeignet sind. Sie sind ohnmachtsicher,
wobei dies jedoch eingeschränkt ist für Träger von schwerer,
wetterfester Kleidung.
Die höchste Normklasse (275) (275 Newton ≈ 27,5 kg Auftrieb) wird
für den Bereich der Hochsee und für extrem schwierige Bedingungen
empfohlen. Diese Rettungswesten sind in nahezu allen Fällen ohnmachtsicher.
Nur zur Einfachheit verwenden wir im nachfolgenden ausschließlich den
Begriff Schwimmweste, meinen damit aber gleichermaßen Schwimmhilfe und
Rettungsweste.
Bei der Auswahl der richtigen Schwimmweste gibt es viele verschiedene
Faktoren zu beachten! In erster Linie muss sie auf das Revier und das Gewicht
des jeweiligen Trägers abgestimmt sein. Natürlich darf die Weste auch
nicht zu groß oder zu klein sein, damit sie nicht beim Tragen stört.
Und wichtig ist auch, dass ein Schrittgurt vorhanden ist. Dieser verhindert,
dass man aus der angelegten Schwimmweste herausrutscht. Bei Kindern sollten
diese Schrittgurte unbedingt vorhanden sein.
Es ist nicht möglich, an dieser Stelle ausführlich alle verschiedenen
Auswahlkriterien zu beschreiben. Der DKV empfiehlt daher, sich in guten Fachgeschäften
ausführlich beraten zu lassen. Die Kanu-Fachberater sind hier eine empfehlenswerte
Anlaufadresse! Die Adressen sind auf der DKV-Homepage unter www.kanu.de veröffentlicht
oder können über die DKV – Geschäftsstelle erfragt werden.
Noch ein wichtiger Hinweis: Achten Sie beim Kauf einer Schwimmweste nicht sofort
auf den Preis! Orientieren Sie sich vielmehr zunächst am Sicherheitsstandard
und dem Tragekomfort, erst dann sollten Sie den Preis beachten. Ihre Sicherheit
sollte Ihnen einen höheren Preis wert sein – insbesondere, wenn Sie
auch Ihre Kinder mit im Kajak oder Kanadier haben.
Es gibt vielfache Bemühungen eine gesetzliche Tragepflicht
für Schwimmwesten einzuführen. Der Deutsche Kanu-Verband spricht sich
gegen eine solche gesetzliche Regelung aus, da sie keinen ausreichenden Freiraum
für die zahlreichen unterschiedlichen Situationen im Kanusport zulässt.
Besser ist es, Kanufahrern aufzuzeigen, wann das Tragen einer Schwimmweste besonders
wichtig ist. Es ist aber nicht möglich, alle denkbaren Situationen aufzuzeigen.
Die nachfolgenden Hinweise sollen aber den Anreiz geben, sich vor der Fahrt
darüber klar zu werden, ob es nicht doch sinnvoll ist, sich für eine
Schwimmweste zu entscheiden:
Küstengewässer bergen unterschiedliche Gefahren in sich. Gezeiten,
Strömung Wind und Wellen lassen eine Kenterung immer möglich erscheinen.
Auf diesen Gewässern sollte daher immer eine geeignete Schwimmweste getragen
werden. Gleiches gilt für Gewässer, auf denen sich die Gezeiten bemerkbar
machen (z.B. die Unterweser oder Unterelbe). Zur Frage, ob hier insbesondere
eine Rettungsweste zu tragen ist, gibt ein Beitrag auf der DKV-Homepage Auskunft:
www.kanu.de/nuke/downloads/Rettungsweste.pdf
.
Seen und Boddengewässer sind ebenfalls im besonderen Maße Wettereinflüssen
ausgesetzt. Deshalb sollte eine Schwimmweste immer dann getragen werden, wenn
man in größerer Entfernung zum Ufer fährt. Oftmals sind schon
100 bis 200 Meter Entfernung zu viel, um noch schwimmend das rettende Ufer zu
erreichen!
Auf Gewässern mit starker Strömung kann es nach einer Kenterung ebenfalls
sehr lange dauern, bis Hilfe geleistet oder das Ufer aus eigener Kraft erreicht
werden kann. Deshalb sollte bei einer Strömungsgeschwindigkeit von mehr
als 4km/h grundsätzlich eine Schwimmweste getragen werden. Und auf Wildwasser
ist eine Schwimmweste ja schon Standard. Berücksichtigen Sie auch die Gefahren
bei Hochwasser: Sonst zahme und unproblematische Kleinflüsse können
sich dann zu reißenden Gewässern entwickeln!
Auch starker Schiffsverkehr (z.B. auf dem Rhein) gefährdet uns Kanufahrer.
Dessen Wellenschlag kann schnell zu Problemen führen – eine Schwimmweste
auf solchen Gewässern ist daher ebenfalls zu empfehlen. Ist ein Gewässer
dazu auch mit senkrechten Uferbefestigungen versehen (insbesondere auf Kanälen),
sollte ebenfalls nicht auf Schwimmwesten verzichtet werden.
Bei kalter Witterung sinkt die Überlebenschance im Wasser mit der Wassertemperatur!
Insbesondere im Zeitraum zwischen November und April sind Wasser- und Lufttemperaturen
sehr gering – das Tragen einer Schwimmweste sollte deshalb in diesem Zeitraum
eine Selbstverständlichkeit sein.
Übrigens: gerade bei kaltem Wasser ist die Schwimmweste nur eine von verschiedenen
Schutzmaßnahmen. Ausschließlich Kälteschutzanzüge stellen
sicher, dass der Prozess der Unterkühlung solange verzögert wird,
bis Hilfe geleistet werden kann. Das betrifft jede Fahrt auf einem Gewässer,
das nicht „knietief“ ist und wo das rettende Ufer nicht sofort erreicht
werden kann, und gilt folglich auch für das leistungssportliche Training.
Eine Kenterung in einem Gewässer, dessen Wassertemperatur unter 13°
C liegt, kann zu einem Kälteschock führen, der einen daran hindert,
sich selber helfen zu können.
Neben den verschiedenen Gewässertypen und Witterungsverhältnissen
ist auch der Kenntnisstand und Gesundheitszustand des Kanufahrers bzw. sein
Alter zu berücksichtigen. Kinder bis zu 10 Jahren sollten immer eine Schwimmweste
tragen; bei älteren Kindern oder Jugendlichen sollten die Anforderungen
an das Gewässer besonders sorgfältig geprüft werden: Lieber eine
Schwimmweste zu häufig tragen als zu selten! Und nicht nur Kinder oder
Jugendliche sind gefährdet: Auch ältere Kanufahrer überschätzen
häufig ihre Schwimmfähigkeiten. Anfänger oder ungeübte und
gesundheitlich nicht mehr ganz so fitte Kanufahrer sollten ebenfalls den Grundsatz
beherzigen, dass Vorsicht keine Feigheit ist!
Einen hundertprozentigen Schutz vor Unfällen gibt es nicht, aber jeder kann sich selbst dafür einsetzen, dass das Risiko von Unfällen gemindert wird. Die richtige Ausrüstung ist nur ein Aspekt für sicheren Kanusport! Wichtig ist auch, dass man über mögliche Gefahren informiert ist und in der Lage ist, diese Gefahren richtig zu bewerten. Was für Wildwasserfahrer oder Küstenkanuwanderer schon lange eine Selbstverständlichkeit ist, muss auch für Kanuwanderer gelten: Richtige Fahrtenvorbereitung, eine auf das Revier abgestimmte Ausrüstung und natürlich ein Gefahrenbewusstsein! Dies alles lernt man nicht von alleine - hier hilft die Teilnahme an entsprechenden Sicherheitskursen oder geführten Touren, die von den DKV-Kanu-Vereinen in großer Zahl angeboten werden.