... langsam aber sicher erfaßt sie manchen unserer schönsten
Flüsse - nicht zur Freude des Faltbootwanderers, aber zum Wohle unseres
Volkes, für das billige Verkehrswege und Krafterzeugung Lebensnotwendigkeiten
sind. Die Lahn ist vorläufig bis Limburg kanalisiert, am Main und
Neckar reiht sich nach und nach einen Staustufe an die andere. Die Vorarbeiten
für die Kanalisierung der Weser zwischen Bremen und Minden, sowie
der unteren Werra bis in die Gegend von Eisenach sind so ziemlich abgeschlossen.
Noch vor wenigen Jahren gab es wellig rauschende "Strömungen" in
der Werra, wo jetzt die mächtigen Stauwerke am "Letzten Heller" und
bei Spichra etliche Kilometer langen Stau erzeugen. Selbst dem Donaustrom
und dem Inn hat man Fesseln angelegt.
Wir können diese Entwicklung nicht aufhalten, wohl aber tatkräftig
darauf hinarbeiten, daß die für uns durch diese Umformung der
Flußläufe entstehenden Nachteile weitmöglichst gemildert
werden - sei es im Rahmen der neuen Arbeitsgemeinschaft, durch den Wasserstraßenbeirat,
durch den Verband unmittelbar oder auch durch die Vereine und einzelne
unserer Mitglieder.
Beim gestauten Fluß machen sich Verunreinigungen, sei es durch
städtische Abwässer oder solche von Industrieunternehmungen,
durch Schmutzöl von Motorschiffen und Baggern oder auch durch hineingeworfenen
Unrat (Kadaver!), naturgemäß viele unliebsamer bemerkbar, als
bei den freien Gewässern. Die maßgebenden Stellen müßten
schon bei der Durchführung der Kanalisierungen diesen Punkten ganz
besondere Aufmerksamkeit schenken und später sich bei der Überwachung
nicht nur von rein praktischen und gesundheitlichen, sondern auch ästetischen
Gesichtspunkten leiten lassen!
Bei der Kanalisierung wäre nach Möglichkeit der Charakter
der engeren Uferlandschaft zu wahren, Bäume und Büsche möglichst
zu belassen oder neu anzupflanzen. Treidelwege sind heute kaum noch erforderlich,
da selbst jedes Bauboot mit Motorkraft angetrieben oder geschleppt wird.
Durch Bäume und Büsche wird auch die am Gewässer heimische
Vogelwelt erhalten! - Vor allem können auch Lager- und Badeplätze
bei der Umformung des Flußlaufes geschaffen werden. - An den Stauwerken
ist für eine gute Überführungsmöglichkeit (Schienentransportbahnen)
für leichte Sportboote zu sorgen, und zwar zur unentgeltlichen Benutzung,
denn die Wasserstrassen dienten von Alters her dem Verkehr. Daneben muß
das Schleusen unentgeltlich oder gegen mäßige Gebühr möglich
sein.
Bei Errichtung der Bauten, der Wehranlagen, Kraftwerke, Brücken
trägt man glücklicherweise, im Gegensatz zu früheren Anlagen,
dem Landschaftscharakter jetzt Rechnung, so zum Beispiel beim staatlichen
Kraftwerk am "Letzten Heller" (Werra). Auch wichtige historische Brücken
(z.B. die bei Witzenhausen und die bei Creuzburg a. d. Werra) werden nach
Möglichkeit erhalten.
Bei aller Freude an unberührter Natur dürfen wir auch nicht
verkennen, daß uns die Schifffahrt lebhafte und oft in ihrer Art
malerische Bilder bietet. Fühlen wir uns mit ihr doch ein wenig verbunden.
Auch das Binnenschiff, von den Seehäfen aus weit ins bergige Herz
unseres Vaterlandes dringend, grüßt uns von der "Waterkant",
vom weiten Meer.
Die fortschreitende "Beengung" unserer wichtigeren Gewässer sollte
uns aber auch ein Ansporn sein, unsere Belange auf die kleineren, nicht
schiffbaren Gewässer nachdrücklichst geltend zu machen (Aufhebung
von Befahrungsverboten, Umtragegelegenheiten an Wehren, usw.).
Zum Schluß sei noch darauf hingewiesen, daß die Stauhaltungen
der kanalisierten Flüsse für den örtlichen Kanu- und Rudersport
gewisse Vorteile bieten, zum Beispiel beim Training und in der Veranstaltung
von Regatten, auch beim Segeln auf nahezu stromlosem Wasser.
Walter Diestel
Der "Hamburger Anzeiger" vom 8.3. bringt eine interessante
Statistik über die in Hamburg registrierten Sportboote, die als Unterstreichung
des Leitartikels dieses Heftes dienen mag.
"Was auf der Alster schwimmt und weder ein Dampfboot ist noch ein Schwan
noch ein Kohlenschlepper, das ist ein Lustfahrzeug. Über diese Fahrzeuge
mit dem lüsternen Namen führt die Polizei (nicht die aufgehobene
Sittenpolizei) genau Buch und Statistik. Es müssen lange Listen sein,
denn es gibt auf der Alster nicht weniger als 16072 Boote und ebenso viele
Schiffer auf kleiner Alsterfahrt, die Käppen Ohlsen von der Alsterpolizei
ob ihrer hanebüchenen navigatorischen Unkenntnisse an Großkampftagen
zur Verzweiflung bringen können.
Erdrückend durch ihre Zahl die Kanadier, deren es über 9000
gibt. Von ihnen sind 8999 auf den Namen kleiner Mädchen getauft.
Vorsichtige Schiffer wählen auswechselbare Messingbuchstaben oder
bevorzugen für die Namensaufschrift Wasserfarben, weil die Olly von
1928 im Jahre 1929 auf Lilo hört und sich 1930 in eine Kathi vom
Isebeck verwandelt.
9000 Kanus das heißt mindestens 81000 Kissen; denn unter dreiviertel
Dutzend weicher Pfühle geht kein echter Kanusportler auf große
Fahrt. Die 1626 Paddelboote benutzen die Alster nur als Heimathafen. Ihr
Feld sind die Elbe und die Nebenflüsse, zu denen sie sich Sonnabends
zur Unterhaltung der Fleetenkieker an den Alsterarkaden durchschleusen
lassen.
An Flachbooten , diesen schwimmenden Familiendiwans, die vor Jahren einmal
groß in Mode waren, zählt man immernoch rund 1500. Wahrscheinlich
ebenso viele Vasen. Der Schrecken aller Alsterelegants sind die 1350 Ruderboote
, vor deren weitausladenden Riemen und westengeschmückten Ruderern
alles Reißaus nimmt. Besondern neckisch gebärden sich diese
Galeeren im Gedränge der Fährhausbucht. 842 Segelboote nehmen
sich gegenseitig den Wind aus den Segeln. Die Aristokratie der Alsterbewohner
aber flitzt in 331 Rennbooten einher. Sämtliche Übrigen 15700
Lustfahrzeuge werden von diesen feudalen Sportjünglingen nur als
störendes Treibholz angesehen, das höchstens an Renntagen als
festliche Staffage geduldet werden darf.
Über 16000 Schiffer auf kleiner Alsterfahrt! Für viele wird
daraus eine große Lebensfahrt. Von wegen der 81000 Kissen."
Von etwa 14000 Paddelbootsbesitzern, also rund 10000, die nicht am Kanusport
interessiert sind (Kanadier und Punts) gehen etwa 3-4000 Kanufahrer (Kajak,
Kanadier, Faltboot), die zum größten Teil für den Verband
in Frage kommen, denn auch unter den Kajak- und Faltbootbesitzern sind
viele "Lustfahrer". Die Zahl der Faltboote ist gewiss viel größer,
denn nur ein kleiner Teil der Faltbootfahrer läßt seine Boote
registrieren, um damit die Erlaubnis zum Befahren der Alster zu erhalten.
H. S.
Der Bootsname
Nur eine weiche Birne noch
Nach grausig zergrübelten Wochen.
Der Schädel das reinste Binger Loch
Vom Spinnen und Sinnen noch und noch
In grausig zerdachten Wochen.
Ein Mille Zigaretten blauer Dunst
Bei qualvoll marterndem Denken,
100 verkehrte Kaffees verhunzt,
Ein ganzes Großhirn aufgeschlunzt
In dem Gedankenverrenken.
Seegeier, Reiher, Bachstelze, Vagant,
Ideen mit Hemmungen raufen.
Aquadolch, Lustmolch, Très élégant,
All schon genannt, all schon bekannt.
Götter, wie soll ich es taufen?
Und wieder schlägt 2 die Kirchenuhr,
Der Schädel gähnende Weite.
Der Ober macht zum Zahlen die Tour,
Kein Geld mehr im Beutel, hier meine Uhr
Mit goldenem Deckel, behalt' sie nur.
Ich taufe den Zweier "Pleite".
(von Ferdi Mindt)
Nun, was für ein anderes Land könnte hier wohl gemeint
sein als Finnland, das Land der tausend Seen.Man sagt heute zwar nicht mehr
tausend Seen, sondern dreißigtausend. Doch steigt die Zahl nicht etwa
mit der Zunahme der Reisepropaganda, sondern es sind tatsächlich so viele
Seen im Lande und einige hundert dürften noch in Reserve gehalten sein.
Aber weiter, warum ist Finnland das gelobte Land der Paddler? Nun, weil
man überall anlegen darf, überall Feuer anmachen und Fische
fangen darf, vorausgesetzt, daß man nicht ganze Wälder abbrennt
und mit großem Zeug fischen will.
Finnland ist das Land der hellen Nächte, man braucht im Sommer keine
Kerzen und keine Bootslaternen. Daher sind die Reisen im Lande auch so
billig.
Finnland ist auch das Land, wo mir der Mann namens Stromschnellenblume
den Hecht von mehreren Pfund schenkte und der Bauer Tanno Kotilainen über
den ganzen Fluß hinweg rief: "Kavihla-saksalainen-kavihla-kavihla!"
Ich möchte Kaffeetrinken kommen. Kaum war ich an Land, da stieg am
Mast das weiße Tuch mit dem lustig-blauen Kreuz. Knatternd kündete
es den Nachbarn: ich hab' Besuch, ich hab' Besuch.
Und dann erst der Salomon von Nenaniemi, der Salomon Löppönen,
der erst garnicht begreifen konnte, woher und wieso ich zu diesem einsamen
Hof gekommen war, und der mir erst Fisch, dann Brot und Käse brachte,
schließlich auch noch die Sauna, die finnische Badestubeheizte,
ehe er begriff, daß ich mit allen meinen Gesten nur um Nachtlager
und Schutz vor dem dauernden Regen bat. Dann schleppte er alle Felle und
Decken aus dem Hause, um mir ein prächtiges Lager zu bereiten. Drei
Tage regnete ich ein. Jeden Tag bekam ich eine immer größere
Schüssel Dickmilch, nur weil es mir schmeckte.Am vierten Tage floh
ich aus Angst vor einem weiteren Wachstum der Schüssel, denn ich
hätte es dem alten Salomon nicht antun mögen, sein Gastmahl
auch nur teilweise auszuschlagen.
Das alles ist Finnland, echt und recht ein Land für Robinsonaden.
und wer hätte nicht Lust, frei umherzuziehen, von Ost nach West,
von Nord nach Süd. Alle Möglichkeiten sind gegeben, und gerade
in diesem Jahre liegen sie besonders nahe, da eine Gesellschaftsreise
von Danzig aus organisiert wird, die in mehreren Gruppen das Land durchstreifen
will.
Auf, auf ins gelobte Land der Paddler, dahin, wo Milch und Wasser fließt.
Wer aber Bier mehr liebt als Milch und Wasser und helle Nächte, der
bleibe lieber daheim, denn das Bier in Finnland ist so schwach, das es
kaum aus der Flasche laufen kann. Alles andere aber ist gut, - sogar die
Menschen.
(Artur Nikolaus)